inform online - Magazin der TRANSNET
Magazin der TRANSNET
SUCHE
KONTAKT
IMPRESSUM
BENUTZERNAME

PASSWORT

ERSTANMELDUNG

BENUTZERNAME ODER PASSWORT VERGESSEN?


Buchtipp: Todesmarsch zur Bernsteinküste

Der ARD-Zweiteiler „Die Flucht“ hat eine neue Diskussion über die Vertreibung von Millionen Deutschen am Ende des zweiten Weltkriegs ausgelöst. In manchen der Pressekommentare, so z.B. in der Bild-Zeitung, ist eine gewisse Erleichterung spürbar. „Endlich“ könne man auch über dieses „vergessene schreckliche“ Kapitel reden. Und Vertriebenen-Sprecher wie die CDU-Politikerin Erika Steinbach vertreten die These, Krieg und Nationalsozialismus seien der polnischen Bevölkerung nur willkommener Anlass gewesen, lange gehegte Vertreibungswünsche endlich umzusetzen.

Die Deutschen also als reine Opfer? Man sieht, dieses Thema bedarf mehr als alle anderen der historischen Einordnung. Die Vertreibung kam nicht aus dem Nichts. Muss man aber immer wieder darauf hinweisen, dass die Deutschen dieses ihr Schicksal letztendlich selbst verschuldet haben? Die Antwort heißt: Ja, man muss.

Und man sollte das Buch von Martin Bergau lesen. Der Küstersohn aus dem ostpreußischen Sorgenau hat als 16-jähriger Augenzeuge eines der letzten großen Nazi-Verbrechen in Ostpreußen miterlebt. 5000 Juden wurden aus den Außenlagern des KZs Stutthof im Januar 1945 auf einen Todesmarsch geschickt. 2000 von ihnen starben unterwegs, 3000 wurden bei Palmnicken an der Küste erschlagen, erschossen, ertränkt oder in die eiskalte Ostsee getrieben. 15 Menschen überlebten. Martin Bergau präsentiert in seinem Buch zahlreiche Originaldokumente und Zeitzeugenberichte – aus der Sicht von Opfern, Augenzeugen und auch Tätern. Er unterschlägt nicht, dass es Anflüge von Menschlichkeit gab – die wenigen Überlebenden des Massakers von Palnicken wurden von Bewohnern der Stadt versteckt und gerettet. Doch Ostpreußen, darauf weist der Historiker Andreas Kossert im Nachwort hin, das waren nicht nur sonnendurchflutete Alleen, dunkle Wälder, kristallklare Seen und sittsamer preußischer Adel. Ostpreußen war auch eine Hochburg des Nationalsozialismus, und zwar, das zeigen Martin Bergaus Schilderungen, bis zum bitteren Ende. Wenn es denn die ganze Wahrheit über die letzten Kriegstage im Osten sein soll, dann gehört auch dies dazu.

Martin Bergau, Todesmarsch zur Bernsteinküste. Das Massaker an Juden im ostpreußischen Palmnicken im Januar 1945. Zeitzeigen erinnern sich, Universität-Verlag Winter, Heidelberg 2006, 233 Seiten, 19 €

Seitenanfang Seitenanfang
Drucken Drucken
TRANSNET-SHOP
VERGÜNSTIGUNGEN