

Das Handwerk des Historikers besteht in der Auswertung und Interpretation von Quellen. Also von Urkunden aller Art, Akten, Notizen etc. Der Zeithistoriker kann zudem noch auf Gespräche mit denjenigen zurück greifen, die an historischen Ereignissen beteiligt waren.
Der Münchener Historiker Gerhard Ritter hat für sein neues Buch beides genutzt und die Geschichte der deutschen Vereinigung rekonstruiert. Diesmal unter der Fragestellung, wie sich die deutsche Einheit auf den Sozialstaat ausgewirkt hat. Ritters These: Der unter der Regierung Kohl in den 80er Jahren begonnene Umbau des Sozialstaates ist durch die Wiedervereinigung verzögert worden. Dies hat zur heutigen Krise der sozialen Sicherungssysteme maßgeblich beigetragen.
Gerhard Ritter zeigt dies anhand einer enormen Fülle von Materialien. Der Historiker belässt es dabei nicht bei schnellen und einfachen Schuldzuweisungen. Er analysiert genau die damaligen Handlungszwänge. Eine einfache Lektüre ist das Buch nicht. Man sollte es aber zur Hand nehmen, wenn man fundiert über die Geschichte der deutschen Einheit und über die heutige Krise des Sozialstaats urteilen will.
Gerhard A. Ritter, Der Preis der deutschen Einheit. Die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaates, 541 Seiten, Verlag C.H.Beck, München 2006, 38 Euro